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Matze Rossi im Interview
Interview: Maria Graul
Fotos: Maria Graul

Matze Rossi reist aktuelle auf „Musik ist der wärmste Mantel“-Tour durch die Republik. Der deutschsprachige Sänger und Songwriter und ehemaliger Gitarrist und Sänger der Punk-Rock-Band Tagtraum gehört zu den absoluten Sympathen der hiesigen Musikszene. Seine Texte beschreiben die kleinen Dinge und Augenblicke im Leben. Immer wieder zaubert er mit seinen Songs hoffnungsvolle Augenblicke in dieser nach und nach trister werdenden Welt. Gemeinsam sprachen wir über seine aktuelle Tour, seine Songs und warum es sinnvoll ist, mit offenen Augen durchs Leben zu gehen.

Matze Rossi

Musikalisch kommst Du mitten aus dem Punk. Warum hast Du Dich nach Tagtraum für das Genre der Singer/Songwriter entschieden und welchen Unterschied bringt das für Deine persönliche Weiterentwicklung als Musiker?
Ja, Punkrock war die Musik und das Lebensgefühl, das mich Anfang der 90iger total in den Bann gezogen hat. Meine musikalischen Wurzeln liegen, dank meiner Eltern, aber auch in der Hippiemusik der 60iger und 70iger. Meine Band Tagtraum war für mich eine prägende Zeit. Die Lieder habe ich aber schon immer an der Akustikgitarre geschrieben, von daher war das für mich kein Umentscheiden.

Die Umstände haben sich nur geändert. Ich musste alleine das Abliefern, was vorher im Team gemacht wurde. Das ist auch nach wie vor der ganze Unterschied. Ich liebe es mit Freunden Musik zu machen, den Austausch, sich aufeinander verlassen zu können. Genauso liebe ich es auf mich allein gestellt zu sein, näher am Publikum zu sein, meinen Rhythmus im Studio, auf der Bühne und im Touralltag zu haben ohne sich mit anderen abzusprechen.

Gab es eine Zeit in der Du an der „Umorientierung“ gezweifelt hast?
Nein, nichts ist starr und fest. Es darf und kann sich ja alles verändern.

Was bedeutet Punkrock für Dich?
Ein Lebensgefühl!

„Die “Musik ist der wärmste Mantel“-Tour ist etwas ganz besonderes für mich“

“Musik ist der wärmste Mantel“ ist ein wunderschöner Name für eine Tour. Wie kam es dazu und was ziehst Du für Dich daraus?
Das freut mich sehr, dass Dir das Tourmotto gefällt. Es ist eine Songzeile aus meinem uralten Lied „Das ist für die Lieblingslieder“. Musik gibt mir so viel, also das Musikhören und das Musikmachen. Ich denke es spricht genau die richtigen Menschen an, die dann auch auf die Konzerte kommen.

Was erwartet die Besucher auf Deinen Shows?
Martin und ich haben ganz viele Stücke ausgegraben und neu aufgerollt. Durch Klavier, Kontrabass- und Gitarrenbegleitung bekommt alles klanglich eine ganz andere Tiefe. Ich finde es sehr spannend und für mich fühlen sich alte Lieder, die ich jetzt mehrere hundert Male alleine gespielt habe, wie neue Stücke an. Diese Tour ist etwas ganz besonderes für mich.

Gibt es für Dich einen ganz besonderen Song? Welchen spielst Du am liebsten und warum?
Besonders sind die Lieder. Hinter allen stecken wahre und kleine Geschichten. Besonders gerne spiele ich „Best Friends“, mein Lied für Wauz, den wir leider vor bald vier Jahren verloren haben, weil es mich an ihn erinnert, weil ich mit dem Lied an ihn erinnere und weil er mittlerweile auch allgemein ein Lied für Freundschaft an sich geworden ist und die Menschen da immer so ergreifend mit singen.

In welchen Situationen entstehen Deine Songs? Welche Lieblingsanekdote gibt es von Dir dazu?
Oh, in den unterschiedlichsten Momenten…aber eher unspektakulär…“Erzähl mir nichts“ zum Beispiel habe ich geschrieben, als ich frühs im Bad stand und an meinen vierzigsten Geburtstag gedachte habe und meine Träume und Wünsche. So ist ein Selbstdialog entstanden, den ich auf eine Klopapierrolle gekritzelt habe. Daraus ist der Song dann entstanden.

„Achtsamkeit und Liebe ist für mich der Schlüssel, das eigene Leben und das der anderen besser zu machen“

Weltweit scheint die politische und gesellschaftliche Ordnung ganz schön aus den Angeln gerutscht zu sein. Was bewegt Dich in diesen Zeiten besonders?
Was mich bewegt ist, dass die Kluft zwischen Armut und Reichtum immer größer wird, zu viel Macht in den Händen von Schwachköpfen ist und sich die Ausbeutung von Natur und Lebewesen immer weiter perfektioniert wird. Eigentlich auch nicht wirklich etwas Neues und irgendwie habe ich ein Vertrauen, dass sich die Dinge zurechtrütteln werden.

Warum ist es für Dich wichtig, mit offenen Augen durch das Leben zu gehen?
Weil Achtsamkeit und Liebe für mich der Schlüssel ist, das eigene Leben und das der anderen besser zu machen.

Wann fängst Du Feuer?
Für meine Liebsten und gute, verrückte Ideen. Musik!

Was darf man in Zukunft von Dir erwarten und möchtest Du noch was loswerden?
Erstmal viel Konzerte spielen und ich arbeite an neuen Liedern für eine Rossi- und Bad Drugs-Platte.

 

Video: Matze Rossi – „Erzähl Mir Nichts“

 

 

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