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Pianos Become The Teeth Wait For Love
Pianos Become The Teeth
Wait For Love
VÖ: 16.02.2018
Epitaph Records
Bewertung

Gut dreieinhalb Jahre mussten die Fans von Pianos Become The Teeth auf den Nachfolger des großartigen, aber im Gegensatz zu den vorherigen Werken sehr anders anmutenden „Keep You“ warten. Die US-amerikanische Post-Hardcore-Band machte sich in der Zwischenzeit sehr rar. Es wurden bereits einige Stimmen laut die orakelten, dass die Band Geschichte sei. Dann tauchten aus heiterem Himmel erste Bilder aus dem Studio auf, die die neue Platte „Wait For Love“ ankündigten. Ein kleiner Erleichterungsseufzer wird an diesem Tag sehr sicher dem Einen oder Anderen entfleucht sein. Einige Fragen stellten sich natürlich sofort: Wie wird der Stil der neuen Platte sein? Zurück zu den Wurzeln à la „Old Pride“ und „The Lack Long After“ oder verfolgt man den Weg der 2014er Platte „Keep You“ konsequent weiter? Fragen über Fragen, welche jedoch seitens des Quintetts aus Baltimore mit ihrer ersten Single „Charisma“ schnell geklärt werden.

Konsequente Weiterentwicklung

„Wait For Love“ macht genau da weiter, wo „Keep You“ seinerzeit aufhörte. Die Band hat in den letzten vier Jahren ihren Sound tatsächlich konsequent weiterentwickelt. Vor allem atmosphärisch wurde noch einmal ordentlich einer drauf gelegt. „Keep You“ glänzte zwar schon mit wirklich großartigen Songs, aber manchmal hatte man doch das Gefühl, dass die Band noch ein wenig in der Findungsphase war – was allerdings nach so einem Stilbruch auch kaum verwunderlich ist. Auf „Wait For Love“ ist allerdings jeder der zehn Songs ein absolut emotionales Highlight. Die Titel verursachen Gänsehaut am laufenden Band und nehmen den Hörer mit auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle.

Der Opener „Fake Lightning“ baut sich beispielsweise mehr und mehr auf und füllt den Raum zunehmend mit einer immer dichter werdenden Atmosphäre, die einen nicht mehr loslässt. Man hängt förmlich an Sänger Kyle Durfeys Lippen, wenn er die Zeilen “So go confess something dire and nothing less, then hold your breath. So hang your head, this language like acid in your chest, we wait for love. It’s getting so late” zum Besten gibt.

Das schnelle “Charisma” hingegen kommt unglaublich catchy daher und avanciert ganz schnell zum Ohrwurm der Scheibe. Schon fast hypnotisierend wirkt der Song auf einen, wenn Kyle die Zeilen „And what a way, you won me over“ immer und immer wieder mit einer Leidenschaft singt, dass es gar nicht auffällt, wie oft diese Zeilen tatsächlich gesungen werden. Simpel, aber dafür genau auf den Punkt.

So unglaublich schön und gleichzeitig so unglaublich traurig

Emotionales Highlight bildet aber wahrscheinlich „Blue“, der letzte Song von „Wait for Love“. Wer sich mit Pianos Become The Teeth schon einmal beschäftigt hat, der weiß, dass die Krankheit und der Tod des Vaters von Sänger Kyle thematisch immer wieder eine zentrale Rolle gespielt hat. Auch wenn vielleicht die Wunde nicht mehr frisch ist, so ist sie immer da und beginnt erneut zu schmerzen. Besonders auch, nachdem er in den letzten Jahren seine eigene Familie gegründet hat, was sein Vater jedoch leider nicht mehr miterleben konnte. Bei der Passage „Would you believe it? I’m a family man now. Here’s your boy’s boy, all blue-eyed and stubborn. I wonder, where’s he get it all from? This sandy honey hair? This hell of a temper? I never knew mine, he’ll never know his but it’s so good to see you again“, muss man sich schon echt zusammenreißen, um nicht in Tränen auszubrechen. So unglaublich schön und gleichzeitig traurig beschließen die Jungs aus Baltimore ein absolut wundervolles und atmosphärisch kaum zu überbietendes Album, was definitiv noch einige Runden in den heimischen Abspielgeräten jeglicher Art drehen wird. „Wait For Love“ ist jetzt schon definitiv ein – wenn nicht sogar DAS – Highlight des Jahres.

Pianos Become The Teeth
Wait For Love

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 Pianos Become The Teeth Wait For Love

Sash Autorenbox Count Your Bruises Magazine

Über Sash
„Despite all my rage I am still just a rat in the cage!“

Dank MTV und VIVA2 wurde Sash regelrecht zum Musik-Junkie erzogen und hört von Alternative über Emocore bis Punk, Hardcore und Metal alles, worauf er gerade Bock hat. Wenn er nicht gerade der Musikleidenschaft mal wieder exzessiv in irgendeiner Art und Weise frönt, ist er entweder mit seiner Band One Strike Left kreuz und quer im Lande unterwegs, zockt gern mal ausgiebig mit seiner Nintendo Switch oder spielt mit seinem Hund Hugo.

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