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Deez Nuts, Trash Talk, Capsize, Brutality Will Prevail & Boundaries in Hannover
31.03.2018
Bericht: Hanna Hindemith
Fotos: Hanna Hindemith

Die Deez Nuts laden gemeinsam mit Trash Talk, Capsize, Brutality Will Prevail und Boundaries zur "You Are Part Of This" Tour ins Kulturzentrum Faust nach Hannover. Dieser Titel ist nicht einfach so daher gesagt, denn um dieses Gemeinschaftsgefühl soll es auf dieser Tour gehen. Das zeigen die Bands nicht nur untereinander, indem sie sich immer wieder gegenseitig danken und um Applaus bitten, sondern auch im Umgang mit den Besuchern. "You are all part of this!", stellt Deez Nuts Frontmann JJ heute Abend klar.

Deez Nuts am 31.03.2018 im Kulturzentrum Faust in Hannover

Ganze fünf Bands erwarten die Besucher heute Abend und dementsprechend startet es um 19.30 Uhr verhältnismäßig früh. Jetzt schon da zu sein lohnt sich, denn die Hardcore Punk Band Boundaries eröffnet den Abend. Die Kanadier gehören definitiv zu den Aufsteigern in der Szene und das zu recht. Während zu Beginn der Show noch recht wenig Besucher vor der Bühne stehen, locken Boundaries schnell immer mehr Publikum vor die Bühne. Der Mix aus Punkrock und Hardcore kommt an, die Besucher lassen sich nicht lange um Bewegung bitten. „Last fucking chance to move your fucking ass!“, kündigt Frontmann Maxime Maltais das Ende des Sets an und die Band macht Platz für Brutality Will Prevail.

„Saturday night is party night!“

„Saturday night is party night!“, kündigt Brutality Will Prevail Gitarrist Nick zu Beginn des Sets an. Viel mit Party ist bei ihm heute allerdings nicht, denn er hat seinen Fuß in Gips verpackt und muss die komplette Show im sitzen spielen. Das machen seine Kollegen aber allemal wett. Vor allem Frontmann Louis gibt auf der Bühne ordentlich Gas, wirbelt und springt umher und lässt es sich nicht nehmen, auf Tuchfühlung mit dem Publikum zu gehen. Publikumsnähe ist bekanntermaßen bewegungsfördernd und so werden bereits ordentliche Mosh und Circle Pits gestartet. Kein Wunder: Brutality Prevail sind definitiv keine unbekannten Gesichter in der Szene. Schließlich haben sie im letzten Jahr ihr aktuelles und mittlerweile fünftes Studioalbum „In Dark Places“ auf den Markt gebracht.

Das Publikum ist definitiv bereit, den heutigen Abend zu einer Partynacht zu machen. Den „Move! Move!“-Rufen von Louis kommen sie nur zu gerne nach. In der kurzen Umbaupause muss erst einmal verschnauft werden. Es werden Kaltgetränke geholt und der Boden als Sitzgelegenheit genutzt. Für die dritte Band des Abends brauchen die Besucher schließlich wieder all ihre Energie.

Circle Pits und Plausch am Merchstand

Capsize aus San Diego starten ihr Set mit „XX (Sew My Eyes)“ vom aktuellen Album “A Reintroduction: The Essence Of All That Surrounds Me”. Wer die Band kennt, stellt schnell fest, dass Gitarrist Ryan auf dieser Tour nicht mit dabei ist. Gitarrist Nick verließ die Band bereits vor einiger Zeit aufgrund seines Studiums. Auf ihrer Facebookseite geben Capsize ihre Bandmitglieder aktuell nicht mehr an. Geblieben sind aber definitiv Frontmann Daniel und Schlagzeuger Andrew.

Sei es drum – der Stimmung tut dies natürlich keinen Abbruch. „We are a band called Capsize, all the way from California!“, stellt er sich und seine Mitstreiter vor. Es wird sich weiterhin in Circle Pits verausgabt und die Lyrics lautstark mitgegrölt, sodass Daniel sein Mikrofon zu Songs wie „Tear Me Apart“ immer wieder in die Menge hält. „Dankeschön!“, bedankt er sich bei seinem Publikum auf Deutsch. Für den letzten Song begibt er sich in die Menge und lädt die Besucher am Ende des Sets zu einem Plausch an den Merchstand ein.

„You there! Stop pushing people like an asshole!“

Mit Trash Talk wird es noch mal eine Spur wilder. Die Setlist der Band aus Los Angeles ist lang. Kein Wunder: Schließlich überschreiten nur die wenigstens Songs die 2 Minuten-Marke. Die Band rund um Frontmann Lee ist für ihre energiegeladenen Shows bekannt und ebenso zur Sache geht es auch im Publikum. Da heißt es: In Deckung gehen oder sich mitreißen lassen. Dabei fällt Lee ein Besucher eher negativ auf: „You there! Stop pushing people like an asshole! It’s all about love!“, mahnt er zu etwas mehr Rücksicht. Diese ist in der Regel heute Abend aber gegeben. Schließlich kennt jeder beispielsweise die Vorgabe: Wenn jemand hinfällt und auf dem Boden liegt, wird er sofort aufgehoben. Schließlich geht es auch heute Abend darum, eine tolle gemeinsame Zeit zu haben und nicht darum, sich gegenseitig zu verletzen.

Am hinteren Bühnenrand sieht man bereits Deez Nuts Frontmann JJ, der die Show mit einem breiten Grinsen verfolgt. Währenddessen findet Lee den Weg immer wieder ins Publikum und mosht ordentlich mit. Ihm scheint der Abend zu gefallen und fühlt eine ganz besondere Verbindung zu den Besuchern. Diese zeigt er mit der Äußerung eines netten Angebots: „I promise, everyone who comes to California can sleep on my fucking couch. Just hit me up!“ Falls jemand dieses Angebot jemals in Anspruch nehmen sollte: Wir brennen auf einen Erfahrungsbericht!

„Thank you so much, we fucking appreciate this shit“

Zeit, für den heutigen Headliner des Abends. Man könnte meinen, dass die Energie so langsam aufgebraucht sein könnte, aber da hat man die Rechnung ohne die Deez Nuts und ihre Anhänger gemacht. Denn die Australier sind mit einer klaren Mission in Hannover: Es sei ihre Aufgabe, sicherzustellen, dass heute Abend jeder eine großartige Zeit hat, so JJ. Und diese Aufgabe kann man definitiv als erfüllt ansehen. Stagediver geben sich die Klinke in die Hand, das Kulturzentrum Faust brodelt. Schon als das Intro „Binge“ vom aktuellen Album „Binge & Purgatory“ erklingt, ist die Energie nahezu greifbar. Als die Band schließlich die Bühne betritt um in den Song „Purgatory“ überzugehen, scheint die Location nahezu zu explodieren.

Deez Nuts ist eine Band, die man vermutlich auf den ersten Blick hinsichtlich Attitüde falsch einschätzen könnte. Auf der Bühne wird allerdings ab dem ersten Ton klar: Diese Band ist eine der sympathischsten und bodenständigsten der Szene. Deez Nuts zeigen sich publikumsnah und man merkt von Sekunde zu Sekunde mehr, dass das, was sie da auf der Bühne machen, das ist, was sie lieben. Die Band ist mittlerweile eine große Nummer, macht aber ganz deutlich, dass die Fans an erster Stelle stehen. Die Band aus dem australischen Melbourne weiß, wem sie ihren Erfolg zu verdanken hat. „Thank you so much, we fucking appreciate this shit“, zeigt sich JJ dankbar. „Cheers, cheers, cheers!“ Mit diesen Worten verlässt die Band die Bühne, wird aber natürlich umgehend zurückgerufen. „One more song!“-Rufe gehen schnell in einen stimmigen „Deez Nuts“-Chor über. „Deez fucking Nuts! Jetzt kommt wieder hoch!“, ruft jemand aus dem Publikum.

Da lassen sich sie Deez Nuts nicht länger bitten. Wenn die Fans mehr hören wollen, bekommen sie auch mehr. „You wanna hear one more song? The we’ll play one more song!“, ruft JJ. „At the end of the day we wanna make you happy“. Und genau dieser Satz sagt wohl alles über die Band aus.

 

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